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zwergenalltag

Pflege für Mama organisieren: der erste Überblick

Pflege & GenerationenRosalia Albescu5 Minuten Lesezeit
Eine Bezugsperson und zwei Kinder rühren am Küchentisch Teig in einer gelben Schüssel, ein Kind schüttet Mehl hinein, eine Katze sitzt daneben.

Die Karten liegen zwischen uns auf dem Tisch, alle leer. Meine Mutter dreht die obere um und legt sie zurück. Zwischen uns steht eine Teetasse, die niemand mehr anfasst. Vier Zettel und ein Stift haben mir damals mehr geholfen als jeder Plan, den ich vorher gebaut hatte.

Die Karten liegen zwischen uns auf dem Tisch, alle leer. Meine Mutter dreht die obere um, als könnte etwas daraufstehen, und legt sie zurück. Zwischen uns steht eine Teetasse, die niemand mehr anfasst. Wir schauen beide auf die Karten und nicht aufeinander.

So fängt es meistens an. Niemand sagt an einem Dienstag: Ab heute organisieren wir Pflege. Es sind kleine Verschiebungen. Ein Einkauf, der länger dauert. Ein Anruf am Vormittag, dann noch einer am Nachmittag. Eine Frage, die zweimal kommt. Irgendwann liegt im Kopf eine Liste, die niemand aufgeschrieben hat, und sie wird jede Woche länger.

Der erste Schritt ist kein Plan. Der erste Schritt ist ein Überblick.

Erster Überblick: vier Zettel statt eines Plans

Wenn ich nicht weiß, wo ich anfangen soll, hole ich vier leere Karten und schreibe vier Überschriften darauf.

  • Beobachtungen. Was sehe ich in einer normalen Woche?
  • Wünsche. Was möchte sie behalten, was darf abgegeben werden?
  • Zuständigkeiten. Wer könnte welche Aufgabe übernehmen?
  • Grenzen. Was kann ich nicht leisten, ohne dass es jemand anders ausbaden muss?

Auf der vierten Karte steht bei mir zuerst nur ein halber Satz. Der bleibt so stehen, bis ich ihn fertig denken kann.

Vier Zettel sind kein System. Sie sind eine Sichtung, und eine Sichtung darf lückenhaft sein. Wer sich vorher einlesen möchte, bekommt eine erste Orientierung zu Pflege und Unterstützung im Alltag mit den Begriffen, die in jedem Gespräch fallen: Antrag, Pflegegrad, Leistung, Beratung. Als Einstieg brauchbar. Was davon für euch gilt, entscheidet sich nicht auf einer Website, sondern in einem Gespräch mit einer Beratungsstelle.

Beobachtungen notieren, nicht bewerten

Eine Beobachtung ist etwas, das du sehen kannst. Der Einkauf dauert länger als im Frühjahr. Der Brief vom Amt bleibt drei Tage auf der Kommode liegen. Sie fragt zweimal nach demselben Termin. Solche Sätze kann man aufschreiben, ohne jemanden zu beurteilen.

Auf die Karte gehört nicht die Vermutung. Ob eine Vergesslichkeit mit dem Alter zu tun hat, mit einer Erkrankung oder mit einer kurzen Nacht, kann ich von meinem Küchenstuhl aus nicht beurteilen, und ein Blog kann es auch nicht. Wenn dich so eine Frage beschäftigt, gehört sie in eine Arztpraxis. Meine Liste sammelt nur, was ich sicher gesehen habe.

Nach zwei Wochen haben diese Notizen ein Muster. Darum geht es: nicht um eine Diagnose, sondern um ein Bild davon, wo Unterstützung anfangen könnte. Dasselbe Prinzip kenne ich aus einem anderen Bereich. In Schlaf beobachten statt vergleichen steht, wie aus ein paar Notizen ein Muster wird, ohne dass daraus eine Prüfung wird.

Wünsche fragen, bevor du planst

Die erste Frage ist nicht: Was brauchst du? Die erste Frage ist: Was möchtest du behalten?

Die Antwort überrascht manchmal. Vielleicht möchte sie weiter selbst kochen, aber nicht mehr allein einkaufen. Vielleicht möchte sie die Bankangelegenheiten abgeben und die Blumen behalten. Vielleicht möchte sie gar nichts abgeben und nur wissen, dass jemand erreichbar ist.

Meine Mutter entscheidet mit. Das klingt selbstverständlich und ist es nicht. In vielen Familien wird ein Plan gebaut und dann vorgestellt. Ein Plan über den Kopf hinweg ist kein Plan, sondern eine Baustelle.

Praktisch hilft ein Satz, der eine Wahl anbietet statt einer fertigen Lösung: „Ich kann dienstags und freitags vorbeikommen. Was davon ist dir lieber?" Zwei Möglichkeiten, ein Termin, kein Paket. Wer eine Wahl bekommt, kann Nein sagen. Genau darum geht es.

Zuständigkeiten sammeln, statt Aufgaben zu verteilen

Auf die dritte Karte kommt keine Wunschliste, sondern eine Landkarte. Wer ist überhaupt da? Geschwister, Nachbarn, Freundinnen, ein Cousin in derselben Stadt, die Frau aus dem Erdgeschoss, die jeden Morgen mit dem Hund geht.

Vier Spalten reichen: Aufgabe, Person, Rhythmus, Ersatz. Die letzte Spalte wird am häufigsten vergessen und zählt im Winter am meisten. Eine Zuständigkeit ohne Ersatz ist ein Termin, der irgendwann platzt, und zwar an dem Tag, an dem du selbst flachliegst.

Dann kommt der unbequeme Teil: Auch meine eigene Zeile muss ehrlich sein. Wenn ich dreimal in der Woche etwas zusage und zweimal davon nicht schaffe, ist das keine Charakterfrage. Es ist eine falsche Planung.

Dieselbe Woche enthält ja noch mehr. Kita, Arbeit, Arzttermine der Kinder. Was passiert, wenn beide Seiten gleichzeitig rufen, steht in Wenn Kinder und Oma gleichzeitig etwas brauchen.

Beratung finden: mit Suchworten statt mit Sorge

Für Beratung brauchst du keine Adressliste von mir. Du brauchst Suchworte. Gute Ergebnisse bringen: Pflegestützpunkt und der Name deiner Stadt, Pflegeberatung und der Name deiner Pflegekasse, Sozialverband, Pflegekurse, Beratungsstelle für Angehörige.

Am Telefon ist die erste Frage nicht: Was steht uns zu? Sondern: Welche Unterlagen werden gebraucht, wer prüft was, und welche Fristen laufen? Pflegeleistungen werden nach festgelegten Kriterien geprüft. Ob und was in eurem Fall daraus folgt, kann ich nicht sagen, und niemand in einem Blog kann das.

Wenn du zu einem Gespräch gehst, nimm jemanden mit, wenn es geht. Zwei Ohren behalten mehr als eines, und eine zweite Person erinnert sich an den Satz, den du überhört hast. Wie du so ein Gespräch vorbereitest, steht in Pflegegespräch vorbereiten.

Deine Grenze ist eine Angabe, kein Versagen

Die vierte Karte ist die kürzeste und die schwerste. Was kann ich nicht? In welcher Woche kippt es? Welche Aufgabe macht mich so müde, dass ich danach mit niemandem mehr reden möchte?

Sorgearbeit ist Arbeit. Sie hat Stunden, Wege, Telefonate und einen Kopf, der nachts weiterrechnet. Wer das als persönliche Schwäche liest, plant am Ende mit einer Person, die es nicht gibt.

Deshalb steht eine Grenze nicht am Ende der Liste, sondern mittendrin. Wenn ich weiß, dass ich zwei Begleitungen in der Woche schaffe, dann ist die dritte eine Frage für den Ersatz und nicht für meine Selbstdisziplin.

Schuldgefühle sind übrigens kein Ersatz für einen Plan. Sie fühlen sich nach Beschäftigung an und ändern an einem Mittwochnachmittag nichts.

Am Ende hat meine Mutter die oberste Karte umgedreht und selbst beschrieben. Kein Plan, nur ein Name und eine Uhrzeit. Das war der Anfang, den ich gesucht hatte.

Vielleicht passt das noch