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zwergenalltag

Wenn Kinder und Oma gleichzeitig etwas brauchen

Pflege & GenerationenRosalia Albescu5 Minuten Lesezeit
Eine Bezugsperson rührt Teig in einer Schüssel, ein Kind gibt Schokostücke dazu, das andere stützt das Kinn auf die Hände, daneben steht ein Muffinblech.

Der Kinderbecher steht links, die Teetasse rechts, und beide werden in derselben Minute leer. Ein Zwerg möchte vorgelesen bekommen, am Telefon braucht meine Mutter Hilfe für Donnerstag. Ich sitze dazwischen und rechne aus, wen ich zuerst enttäusche.

Der Kinderbecher steht links, die Teetasse rechts, und beide werden in derselben Minute leer. Ein Zwerg möchte vorgelesen bekommen, weil der Tag in der Kita lang war. Am Telefon sagt meine Mutter, dass sie den Termin am Donnerstag nicht allein schafft. Ich sitze dazwischen und rechne aus, wen ich zuerst enttäusche. Genau darum geht es hier.

Die kurze Antwort: Zuerst kommt nicht die Person, die ich mehr liebe. Zuerst kommt das, was eine Uhr hat.

Was eine Uhr hat, kommt zuerst

Ein Abholtermin in der Kita hat eine Uhr. Ein Termin in einer Praxis hat eine Uhr. Ein Anruf, der auch um acht am Abend noch geht, hat keine. Wenn beide Seiten gleichzeitig rufen, ist das keine Entscheidung über Zuneigung, sondern eine Sortierung nach Zeitfenstern.

Ich frage mich in solchen Momenten drei Dinge:

  1. Was passiert, wenn das zwanzig Minuten wartet?
  2. Was passiert, wenn es zwei Stunden wartet?
  3. Was passiert, wenn es gar nicht passiert?

Bei einem Kind, das mit Fieber auf dem Sofa liegt, ist die Antwort auf die dritte Frage unangenehm. Bei einem Gespräch, das ich seit zwei Wochen aufschiebe, ist sie ehrlich gesagt harmlos. Diese drei Fragen dauern keine Minute und sparen mir eine Menge schlechtes Gewissen.

Wer ein krankes Kind und einen Pflegetermin in derselben Woche hat, kennt die zweite Ebene: die Absprachen mit der Arbeit. Dazu steht in Kind krank: Betreuung organisieren mehr, als ich hier wiederholen möchte.

Der Irrtum mit der einen richtigen Reihenfolge

Es gibt diesen Satz, den ich früher gedacht habe: Die Kinder brauchen mich jetzt, meine Mutter braucht mich später. So einfach ist es nicht. Beide brauchen mich in derselben Woche, und beide merken, wenn ich nur mit einem Ohr da bin.

Es gibt auch den umgekehrten Satz: Sie hat ihr Leben gelebt, die Kinder haben ihres noch vor sich. Auch der führt nirgendwohin. Aus solchen Sätzen entsteht keine Planung, nur ein schlechtes Gefühl beim Zubettbringen.

Brauchbar ist etwas Unspektakuläres: eine Reihenfolge, die nur für diese Woche gilt. Nicht für immer. Diese Woche hat andere Termine als die letzte, also darf die Reihenfolge anders aussehen. Wer eine Dauerregel sucht, sucht zu viel.

Sichtbare Hilfe statt unsichtbarer Heldin

Der teuerste Teil dieser Doppelbelastung ist unsichtbar: das Nachdenken. Wer ruft wen an. Was steht am Donnerstag an. Ist der Kühlschrank meiner Mutter noch voll. Wann muss ich losfahren, wenn ich vorher noch am Kindergarten vorbei muss.

Unsichtbare Arbeit wird nicht geteilt, weil niemand sie sieht. Also mache ich sie sichtbar. Bei uns hängt dafür ein Zettel an der Küchentür, auf dem die Woche steht, mit Namen daneben. Nicht mit Kategorien wie „Familie", sondern mit echten Namen.

Wenn zwei Erwachsene in einem Haushalt wohnen, kann diese Liste an einem Sonntagabend entstehen. Wie das in zwanzig Minuten geht, steht in Sorgearbeit aufteilen.

Ersatzpläne für die Tage, an denen beide rufen

Ein Plan, der nur funktioniert, wenn alle gesund sind, ist kein Plan. Er ist eine Wette. Ich brauche zwei bis drei Namen für den Notfall:

  • Jemand, der in dreißig Minuten da sein kann. Eine Nachbarin, eine Freundin im Homeoffice, wer auch immer in der Nähe wohnt.
  • Jemand, der telefonieren kann. Nicht jede Hilfe bedeutet, dass jemand kommen muss. Manchmal reicht es, wenn jemand für mich eine Praxis anruft, während ich im Kindergarten stehe.
  • Jemand, der nichts erklärt bekommen muss. Eine Person, die weiß, wo der Schlüssel liegt und welche Tasse benutzt wird.

Diese Liste gehört nicht in meinen Kopf. Sie gehört auf ein Blatt Papier, weil sie genau dann gebraucht wird, wenn ich nicht klar denken kann.

Was Kinder mitbekommen dürfen

Kinder merken mehr, als Erwachsene hoffen, und weniger, als Erwachsene fürchten. Sie merken, dass ich angespannt bin. Sie wissen nicht, warum.

Ein Satz reicht oft: „Oma braucht gerade mehr Hilfe, und deshalb bin ich manchmal früher weg." Keine Einzelheiten, keine Sorgen, die ein Kind tragen müsste.

Was Kinder tun dürfen: ein Bild malen, etwas zu trinken bringen, beim Sortieren von Fotos helfen, eine Hand halten. Was Kinder nicht tun müssen: allein verantwortlich sein, Tabletten bringen, einen verzweifelten Erwachsenen trösten oder Aufgaben übernehmen, die Erwachsenensachen sind.

Kinder werden einbezogen. Sie werden nicht zu kleinen Pflegekräften. Der Unterschied liegt nicht in der Aufgabe, sondern darin, wer die Verantwortung trägt.

Schuldgefühle sind kein Planungswerkzeug

Ich habe eine Weile versucht, mit Schuldgefühlen zu planen. Es funktioniert nicht. Ein schlechtes Gewissen erzeugt keine freie Stunde. Es erzeugt spätes Nachdenken über Dinge, die längst entschieden sind.

Was stattdessen funktioniert, ist eine Zahl. Wie viele Stunden habe ich in dieser Woche wirklich? Nicht theoretisch, sondern mitten in der Woche mit Kita, Arbeit und Schlaf. Wenn die Zahl kleiner ist als die Aufgabenliste, ist das keine moralische Niederlage. Es ist eine Information.

Wer eine Information hat, kann sie weitergeben. „Ich schaffe in dieser Woche zwei Besuche." Dieser Satz ist unangenehm und er ist ehrlich. Die Alternative ist ein Versprechen, das ich am Mittwoch breche.

Und was passiert, wenn ich selbst ausfalle? Dann kann ich nicht helfen, und das liegt auf der Hand. Es ist kein Luxus, vorher etwas abzugeben.

Wenn die Woche zu klein wird

Es gibt Wochen, in denen die Zahlen nicht aufgehen. Dann hilft kein besserer Kalender, sondern ein Mensch von außen. Beratungsstellen für Angehörige gibt es in vielen Städten, oft beim Pflegestützpunkt, bei Verbänden oder bei den großen Sozialverbänden. Die Suche nach „Pflegeberatung" plus Ortsname ist ein Anfang.

Ein Anruf dort ist kein Eingeständnis. Es ist eine Abkürzung. Und er lässt sich vorbereiten: In Pflege für Mama organisieren: der erste Überblick steht, welche vier Listen dabei helfen.

Am Ende bleibt der Küchentisch mit dem Kinderbecher und der Teetasse. Manchmal trinke ich beide hintereinander aus, weil ich zu spät dran bin. Das ist keine gute Lösung und kein Beweis dafür, dass ich zu wenig tue. Es ist ein Mittwoch.

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