Kindern helfen mit Traurigkeit umzugehen Oder: Kindliche Gefühle wahrnehmen damit sie Selbstvertrauen entwickeln

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Manchmal tut es gut, sich auszuweinen, wenn die Traurigkeit überhandnimmt. Dagegen anzukämpfen hingegen ist auch heute noch die Forderung an den „richtigen Mann“, ein Gebot des „Starkseins“. Selbst unter Kindern gilt weinen oftmals als unschicklich und wer dennoch weint, gilt als „Heulsuse“. Bis Mitte unseres Jahrhunderts (zumindest in unserer Kultur) war in der Kindererziehung kaum Verständnis für Gefühle vorhanden.

Weil ich meinem Sohn helfe, seinen Schmerz wahrzunehmen, einzuordnen und zu verbalisieren, ernte ich nur Unverständnis. (noch milde ausgedrückt) Und das nicht nur innerhalb der Familie, sondern auch von völlig fremden Leuten. Da kommt es schon mal vor, dass ich einen entsetzten Blick oder ein Kopfschütteln ernte, wenn ich meinen Sohn tröste. So als wäre meine Reaktion nicht angebracht und total übertrieben.

Allen Reaktionen zum trotz, habe ich nicht damit aufgehört, weil ich davon überzeugt bin, dass das „klein Reden“ oder „Übergehen“ von potenziell schmerzhaften Erfahrungen, der falsche Weg ist. Versetzt euch doch mal in die Lage eures Kindes. Es erlebt einen Widerspruch: einerseits hat es Schmerzen aber andererseits ist da geliebte  Vertrauensperson, die ihm sagt: „Dir tut doch gar nichts weh!“

Weinen ist gut und wichtig und völlig in Ordnung. Manchmal dient es auch einfach nur der Erleichterung.

Vielleicht kennt ihr das ja auch aus eigener Erfahrung?

Ich denke, es wäre falsch zu glauben, dass es bei unseren Kindern anders ist. Wir sollten Tränen zulassen, auch bei unseren Kindern. Wir sollten da sein und sie angemessen trösten, ohne dabei sofort von ihren Gefühlen abzulenken.

Werden Kinder durch trösten „verweichlicht“?

Vor kurzem war ich mit meiner Freundin und ihrer Tochter auf dem Spielplatz. Dort beobachtete ich wie ein kleiner Junge vom Klettergerüst fiel und sich den Kopf anschlug. Ich sagte: „Oh je, er hat sich sicher wehgetan!“. Seine Mutter drehte sich daraufhin zu mir und meinte: „Das hat nicht wehgetan. Kinder sind hart im Nehmen. Die fangen erst zu weinen an, wenn die Eltern ein erschrecktes Gesicht machen. Am besten nicht darauf reagieren.“

Stimmt das wirklich? Werden Kinder zu „Mimosen“, wenn wir sie trösten?

Ganz klar: Nein! Natürlich gibt es auch solche Situationen in denen Kinder hinfallen, sich blaue Flecken und Schürfwunden holen aber gleich wieder weiterspielen als ob nichts gewesen wäre.

Aber genauso braucht ein Kind in schmerzhaften Situationen die Gewissheit, dass Mama oder Papa da ist, und es tröstet. Und nicht, dass es mit seinen Gefühlen alleine da steht und es niemanden interessiert wie es ihm geht. Die Kleinen müssen erst lernen mit ihren eigenen Gefühlen umzugehen.

Durch das Spiegeln der Gefühle, wird dem Kind ein Bild über sich selbst vermittelt. Kinder brauchen jemanden, der ihnen sagt: „Ich sehe, dass du dir wehgetan hast oder dass du dich erschrocken hast. Ich bin für dich da. Es wird alles wieder gut.“

Erst mit etwa drei Jahren können Kleinkinder die Gefühle anderer Menschen verstehen und sich in sie hineinversetzen. Aber das ist nur dann möglich, wenn sie vorher von den Eltern gelernt haben, wie das funktioniert.

Schmerz nicht ernst nehmen

Wenn wir unseren Kindern nicht zeigen, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen müssen, werden sie es schwer haben, einen Zugang dazu zu finden. Aus Angst, Kinder zu „verweichlichen“, lassen wir sie mit diesen wichtigen Erfahrungen alleine. Die Gefühle der Kinder nicht ernst zu nehmen, ihre Schmerzen herunterzuspielen oder gar nicht wahrzunehmen, kann die Beziehung und das Vertrauen in die Eltern schwer schädigen. Kinder lernen so, ihren Gefühlen zu misstrauen, weil ihnen immer wieder gesagt wird: „Das ist nicht so schlimm!“ oder: „Du fühlst dich gar nicht so!“, dadurch verlieren sie den Zugang zu sich selbst.

Wir müssen den Irrglaube los lassen, dass Nichtweinen keineswegs „stark“ macht. Im Gegenteil, es führt zusätzlich zu inneren Verkrampfungen und baut Spannungen auf.

Wer gelernt hat sich auszuweinen und die Traurigkeit sozusagen loszulassen, erfährt, dass jede Situation im Leben bewältigt werden kann.

Kleinkinder haben keine Hemmungen – sie drücken einfach und spontan ihre Gefühle aus. Negative Gefühle halten daher bei ihnen auch selten länger an. Mit dem Heranwachsen aber müssen sie lernen, ihre Gefühle und Emotionen in konstruktive Bahnen zu lenken.

Und wir als Eltern können ihnen zeigen, wie das geht. Wenn wir unsere Gefühle selbst erkennen und begreifen, warum sie entstehen, wie man sie am besten ausdrückt und wie man sie steuert, dann können wir auch eher nachempfinden, was die Kinder bewegt.

Die Aufgabe von uns Erwachsenen besteht für mich darin, einem Baby oder Kleinkind zu helfen, das Erlebte richtig einzuordnen.

Was ist da passiert? Wie fühle ich mich?

Was ist jetzt zu tun, wie soll ich mich verhalten?

Wie man Kindern hilft, mit Traurigkeit umzugehen

Wir müssen nur für unsere Kinder da sein, während es den Tränen seinen Lauf läßt. Manchmal drücken sich die Kleinen an uns und möchten umarmt werden, manchmal halten sie sich abseits und möchten nicht berührt werden. Je nach Situation können wir ihnen zusprechen: „Es ist schon in Ordnung, wenn du jetzt weinst“, „Das mit …. ist wirklich traurig“, „Ich bin auch traurig“.

Aus Angst, Kinder zu verweichlichen, zu Mimosen zu machen oder zu verwöhnen, lassen wir sie mit wichtigen Erfahrungen alleine.

Was wir anstreben sollten, sind Kinder, die die vielfältigen Gefühle, die das Leben mit sich bringt, zulassen und mit ihnen umgehen können.

Alles Liebe,

eure Claudi

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