Kindergartenfrei – Ist Selbstbetreuung eine gute Alternative?

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Kindergartenfrei
Kindergartenfrei- Alltag ohne Kindergarten

Kindergartenfrei – Ist Selbstbetreuung eine gute Alternative?

„Die kümmerst dich 24/7 um deinen Sohn?“

„Willst du etwa nicht wieder arbeiten gehen?“

„Wie könnt ihr euch das leisten?“

„Wie soll dein Sohn gut sozialisiert werden?“

„Wenn er den ganzen Tag zu Hause ist, langweilt er sich dann nicht?“

Das sind nur ein paar Fragen, von vielen, die ich zu hören bekomme, wenn ich erzähle, dass mein Sohn weder eine Kita noch einen Kindergarten besucht.

Warum ich mich entschieden habe meinen Sohn selbst zu betreuen?

Die Antwort ist ganz einfach! Weil für uns die Vorteile überwiegen.

Die meisten Menschen sind der Meinung: Kinder gehören in den Kindergarten!

Dieser Satz ist wie ein unausgesprochenes Gesetz. Nur die wenigsten hinterfragen ihn. Für den Großteil der Eltern ist es „normal“ ihr Kind in den Kindergarten zu geben. Wohin soll es denn schließlich sonst? Die Möglichkeit ihr Kind selbst zu betreuen, kommt den meisten Eltern gar nicht in den Sinn.

Früher als ich noch keine Kinder hatte, war für mich ganz klar, dass ein Kind, ab einem gewissen Alter, in den Kindergarten gehört. Während meiner Schwangerschaft kamen mir die ersten Zweifel, ob ich meinen Sohn betreuen lassen soll oder nicht. Die Vorstellung, dass Fremde sich um mein Kind kümmern, hatte in mir ein Unbehagen ausgelöst. Nun wirst du dir vielleicht denken: „Es sind doch Erzieher, sie haben den Umgang mit Kindern gelernt, sie wissen was sie tun“. Ja. Aber letztendlich sind es trotzdem Fremde. Ich muss ihnen blind vertrauen, dass sie sich gut um mein Kind kümmern.

Und nicht, dass sie meinen Sohn weinend in der Ecke stehen lassen oder ungerecht und schroff mit ihm Umgehen, weil sie gerade keine Lust haben sich zu kümmern. Solche Fälle sind leider keine Seltenheit, wie ich von einigen Eltern, aus meinem Bekanntenkreis, erfahren durfte.

Daraufhin hatte ich begonnen im Internet zu recherchieren. Dabei bin ich auf verschiedene Mamiblogs gestoßen, auf denen Mamis berichten, dass sie ihre Kinder zu Hause betreuen. Also Kindergartenfrei. Mir war sofort klar: DAS ist es! Warum bin ich nicht selbst drauf gekommen?

Die Hauptgründe, weshalb ich mich entschieden habe, meinen Sohn nicht in den Kindergarten zu geben, sind:

  • Zu viele Kinder
  • Zu wenig Erzieher
  • Enorme Lautstärke

Es gibt für mich noch mehr Gründe aber das waren die Wichtigsten.

In einer Kindergartengruppe sind zwischen 25-30 Kinder. Meisten sind es 2 Erzieher die sich um die Kinder kümmern. Manchmal ist noch ein Praktikant mit dabei. Hast du dich nicht auch mal gefragt, wie das klappen soll?

Stell dir mal vor du müsstet auf 10 Kleinkinder aufpassen. Da wird man doch verrückt.

Bei so wenigen Erziehern bleiben die ruhigen und eher „unauffälligen“ Kinder auf der Strecke. Die Kinder, die am lautesten Schreien bekommen auch die meiste Aufmerksamkeit.

Und apropos schreien. Hast du schon einmal einen Kindergarten von Innen gesehen? Wenn ja, dann hast du auch erlebt wie enorm laut es dort zugeht. Alle schreien durcheinander, sind am spielen und am kreischen. Kinder und Erzieher sind ständig diesen Reizen ausgesetzt. Das führt auf kurz oder lang automatisch zu Stress.

Versteh mich nicht falsch, ich habe absolut nichts gegen den Beruf des Erziehers. Es ist ein anspruchsvoller und stressiger Beruf.

Für mich sind die Umstände, unter denen die Kinder betreut werden, das Problem.

Eine Frage, die mir sehr häufig gestellt wird ist:

Wie kannst du dir das leisten?

Ich bin der Meinung, wenn man es wirklich will, dann findet man einen Weg. Es klingt total banal aber es ist so.

Für uns war es am Anfang auch erst mal eine Umstellung als mein Gehalt weggefallen ist. Wir haben versucht einzusparen wo wir konnten. Also nur noch ein Auto statt früher zwei, weniger unüberlegte Einkäufe usw. Den gleichen Lebensstandard, wie vor den Kindern, konnten wir so natürlich nicht mehr halten. Aber das stört uns nicht. Das nehmen wir gern in Kauf. Ich muss aber dazu sagen, dass wir zu den Menschen gehören, die sich nicht viel aus materiellen Dingen machen und eher sparsam sind. Mittlerweile ist es so, dass ich auch von zu Hause aus arbeiten kann. Das macht alles etwas einfacher.

Viele Eltern meinen, Selbstbetreuung wäre totaler Luxus. Das finde ich nicht. Im Gegenteil. Ich finde es erstaunlich, wie sich andere einen Kitaplatz leisten können, der 300,- im Monat kostet. Viele Mamis gehen dann nur arbeiten, damit sie sich diese teuren Plätze leisten können. Für mich ist Fremdbetreuung Luxus.

Die größte Angst, die die meisten Eltern haben ist, dass ihr Kind sich nicht „richtig“ entwickelt.

Ich kann dich beruhigen, dein Kind wird nicht „komisch“ oder „auffällig“ nur weil es nicht in den Kindergarten geht. Wenn man natürlich die Kinder komplett isoliert und nur mit ihnen zu Hause bleibt, mag das vielleicht passieren. Aber nicht wenn sie am Leben der Großen teilhaben.

Ich bin mit meinem Sohn viel draußen, in der Natur, auf Spielplätzen oder in der Stadt. Er hat dadurch mehr als genug soziale Kontakte. Und das nicht nur zu Kindern, sondern auch zu Erwachsenen.

Kinder sehen von uns, wie wir mit anderen Menschen umgehen. Wir sind ihr Vorbild.

Es ist Quatsch, dass ausschließlich der Kindergarten unseren Kindern vermitteln kann, wie man miteinander umgeht. Viele Menschen halten hartnäckig an der Meinung fest, dass der Kindergarten dazu dient, die Kinder zu „erziehen“. Dieser Gedanke ist falsch! Er ist einzig und allein dazu da, die Kinder für eine bestimmte Anzahl an Stunden, zu beaufsichtigen und ihnen Beschäftigung zu geben. Nicht mehr und nicht weniger.

Die  „Erziehung“ liegt bei den Eltern. Es liegt in ihrer Verantwortung sich darum zu kümmern.

Wenn du das Thema Kindergarten mit diesem Wissen aus betrachtest, dann merkst du vielleicht, dass der Besuch eine Kindergartens nicht unbedingt nötig ist.

Kinder sind von sich aus soziale Wesen. Sie müssen nicht „sozialisiert“ werden!

Beobachtet doch mal dein Kind. Wie geht es mit anderen um?

Kinder sind von sich auch sehr sozial. Sie wollen das es anderen gut geht und sich um sie kümmern.

Letztens wollte mein Mann ein Regal an die Wand bohren. Kaum hatte mein Sohn das gehört, rannte er los um seinen Kinderakkubohrer zu holen und meinte: „Papa Hilfe? Ich bohre“.

Oder wenn er auf dem Spielplatz mit seiner Sandkastenfreundin spielt, dann ist es so schön zu sehen, wie sie aufeinander achten. Fällt ihr ein Spielzeug runter, hebt mein Sohn ihr es wieder auf. Wenn die beiden zusammen da sitzen und essen, achten sie gegenseitig darauf, dass der andere auch etwas abbekommt. Gefüttert haben sie sich dann auch schon oft. Dieses Verhalten kam von ganz allein. Ohne eine „Erziehung“ von Außen.

Gleichaltrige im Kindergarten

Im Kindergarten hätte mein Sohn den ganzen Tag nur Gleichaltrige um sich. Aber da wir ständig unterwegs sind, trifft er auf die unterschiedlichsten Menschen. Ob Alt oder Jung, Groß oder Klein. Dadurch dass er diese Erfahrungen im Alltag macht, ist er anderen gegenüber sehr aufgeschlossen.

Ich finde den Kontakt zu Kindern unterschiedlichen Alters sehr wichtig. Sind die Kinder alle im gleichen Alter, so befinden sie sich alle ungefähr auf dem selben Entwicklungsstand. Von wem sollen sie dann etwas Neues lernen? Da macht es doch mehr Sinn, Groß und Klein in einer Gruppe zu mischen. In den meisten Kindergärten ist das aber leider nicht der Fall. Dies führt dann dazu, dass Konkurrenzkampf entsteht.

Es wird sich dann ständig aneinander gemessen. Einer will immer besser, stärker… sein als der andere. Dies könnte man vermeiden, wenn auch größere und kleinere Kinder mit in der Gruppe sind.

Den ganzen Tag mit seinem Kind zu verbringen und miteinander den Alltag zu meistern, ist ohne Frage, eine große Herausforderung. Aber ich habe es bis heute nie bereut voll und ganz für meinen Sohn da zu sein. Im Gegenteil. Ich bin dankbar für all die unglaublich wertvollen Momente und Erfahrungen, die wir beide bisher zusammen erleben durften.

Jeder muss, wenn es um die Betreuung der eigenen Kinder geht, seinen eigenen Weg finden. Ich verurteile niemanden, der sein Kind in den Kindergarten gibt.

Für uns ist es die Selbstbetreuung der richtige Weg und wir sind, nach wie vor sehr glücklich mit unserer Entscheidung.

Gehen deine Kinder in den Kindergarten?

Oder lebt ihr auch Kindergartenfrei?

Alles Liebe,

eure Claudi

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