Zucker in Babynahrung

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Täglicher Zuckerkonsum. Welche Auswirkungen hat er auf die Gesundheit? Werden Babys zu früh an Zucker gewöhnt?

Zu diesem Thema könnte ich unendlich viel schreiben, denn gerade wenn es um gesunde Ernährung geht, gibt es so viel nützliches Wissen, dass im Alltag untergeht oder erst gar nicht zur Sprache kommt. Ganz wichtig für uns Eltern ist doch, welche Folgen hat der Zuckerkonsum für die Gesundheit unserer Kinder? Aber jetzt mal ganz von vorn.

Verführungskunst des Zuckers

Zucker besitzt die Eigenschaft, dass er Geschmack wie etwa Bitteres, überdecken kann. Alles schmeckt lecker, wenn man nur genug Zucker darüber streut. Genau diese Erkenntnis nutzt die Lebensmittelindustrie. Getreu dem Motto:

„Wer ein Lebensmittel verkaufen will, muss es nur mit Zucker anreichern.“

So wird industriell hergestellte Fructose zum Süßen der Lebensmittel verwendet. Nicht nur Marmelade und Nusscreme, sondern auch Würstchen, Räucherlachs oder Salzstangen werden ordentlich gezuckert. Auch die Hersteller von vermeintlich gesunden Bio-Produkten machen mit.

Eine Studie der Universität Hohenheim prüfte Müslis und Frühstücksflocken für Kinder, allesamt mit Bio-Siegel versehen. Pro 100 Gramm fanden die Forscher im Durchschnitt 22,5 Gramm Zucker, das ist knapp ein Viertel. Damit bekommt ein Kind beim Frühstück schon mehr Zucker als die WHO Erwachsenen für einen ganzen Tag empfiehlt!

Mit steigendem Wohlstand steigt auch der Zuckerkonsum: Heute essen die Menschen drei Mal so viel Zucker wie vor 50 Jahren. Die Deutschen im Schnitt 36 Kilo pro Jahr.

Fruchtzucker in Fertignahrung

Früchte sind sehr gesund, daher müsste doch Fructose auch gut für unsere Gesundheit sein, oder?

Fruchtzucker ist jedoch nicht gleich Fruchtzucker. Für den menschlichen Organismus macht es einen deutlichen Unterschied, ob der Fruchtzucker nun in Form einer Frucht im Körper landet oder als Bestandteil eines Schokoriegels. Fruchtgummis, Milchschnitte, Mixed Pickles, Essiggürkchen, Ketchup, Dressings, Limo usw. haben alle etwas gemeinsam, sie werden immer häufiger mit Fructose gesüßt.

Wenn also von Fructose die Rede ist, geht es schon lange nicht mehr um den Fruchtzucker im Apfel oder in der Banane, sondern sehr viel häufiger um den hochkonzentrierten und industriell hergestellten Fruchtzucker bzw. Fruchtzuckersirup (Fructose-Sirup) in Fertigprodukten oder Getränken.

Obst und Gemüse enthalten von Natur aus Fructose. Ebenso liefern sie viele lebenswichtige Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.

Raffinierter Industriezucker, also unser weißer Kristallzucker, besteht zu 50% aus Fructose und zu 50% aus Glucose. Er hingegen liefert außer einer geballten Ladung Energie (= Kalorien) keine wertvollen Inhaltsstoffe.

Zucker hat viele Namen

Glücklicherweise, so könnte man denken, ist die Lebensmittelindustrie dazu verpflichtet, auf der Verpackung eines jeden Produktes die genauen Inhaltsstoffe und so auch den enthaltenen Zucker zu deklarieren.

Als Verbraucher gehen wird davon aus, dass wenn wir also keinen Zucker wollen, ein Blick auf das Etikett genügt und schon wissen wir, welches Produkt Zucker enthält und welches nicht. Was aber, wenn Zucker einfach unter anderen Bezeichnungen verwendet wird? Namen, die wir gar nicht mit Zucker in Verbindung bringen. Dies führt dazu, dass wir Zucker essen, ohne dass uns das bewusst ist.

Welche Eltern würden darauf kommen, diese Namen auch nur ansatzweise mit Zucker in Verbindung zu bringen?

  • Saccharose: Haushaltszucker, Kristallzucker
  • Fructose: Fruchtzucker
  • Invertzuckersirup: Gemisch aus Saccharose und Fructose
  • Dextrose, Glucose: Traubenzucker
  • Glucosesirup: industriell aus Stärke (z.B. Mais-/Kartoffelstärke) hergestellter Zucker
  • Lactose: Milchzucker
  • Maltose: Malzzucker
  • Maltodextrin: eine Art vorverdaute (Mais)Stärke, die wenig süß schmeckt, im Körper    jedoch rasch und vollständig zu Glucose abgebaut wird

Je weiter vorne der Zucker in der Zutatenliste auftaucht, umso mehr davon ist im Produkt enthalten. Um zu vermeiden, dass der Zucker weit vorne auf dem Etikett steht, süßen Hersteller ihre Produkte oft einfach mit mehreren verschiedenen Zuckerarten. Die verteilen sich dadurch besser und stehen weiter hinten, dann stechen sie weniger ins Auge.

Fructose ist ein wesentlicher Bestandteil von Produkten, die mit „ohne Zuckerzusatz“ beworben werden. Die Industrie schätzt die Fructose, weil sie aus Mais gewonnen wird, billig und im Vergleich zu Glucose länger haltbar und süßer ist.

Für uns hat Fructose viele Nachteile u.a. Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes.

Babys werden schon an Zucker gewöhnt

Zucker gilt als harmloses Lebensmittel und wird bereits unseren Kleinen, teilweise schon in der Klinik kurz nach der Geburt in Form gesüßter Tees, verabreicht. Gesüßte Tees,             -Babynahrung, -Gebäck und andere Süßigkeiten trainieren den Geschmackssinn frühzeitig auf Zucker.

Babykekse haben einen Zuckergehalt von 14,6 bis 25 %

Babybrei hat einen Zuckergehalt von ca. 10 %

Bei Babys funktioniert das hervorragend. Ihr Geschmackssinn befindet sich noch in der Entwicklung. Würde man ihnen regelmäßig Zucker geben, dann wird die Reizschwelle für das Süßempfinden künstlich in die Höhe geschraubt. Die Süße von Obst reicht dann nicht mehr aus. Da Süßes außerdem oft als Belohnung gegeben wird, sind sie innerhalb kürzester Zeit perfekt konditioniert.

Dazu gibt es eine Studie vom American College of Neuropsychopharmacology, die zu dem Ergebnis kam:

Zucker löst im Gehirn die gleichen Reaktionen wie Kokain, Nikotin und Morphine aus. Zucker ist ein Suchtmittel!

Folgen für unsere Kinder

Kinder werden zappelig

Viele Kinder wirken nach dem Verzehr von Zucker wie aufgedreht, manche werden sogar aggressiv und streitsüchtig. Das Weglassen von Limo, Süßigkeiten und Zucker bewirkt oft schon einen erheblichen Rückgang der Hyperaktivität und Unruhe bei den Kindern.

Fördert Karies 

Dass Zucker den Zähnen schadet, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Aber wodurch kommt das? Der Zucker wird durch die Bakterien in der Mundhöhle verstoffwechselt und zu Säure umgewandelt. Diese Säure wiederum greift den Zahnschmelz an.

Fördert Übergewicht und Diabetes

Eine ausgeprägte Insulinresistenz ist das Hauptsymptom von Diabetes Typ 2.

Fructose wird in der Leber zu Fett abgebaut. Ein Großteil des auf die Weise entstandenen Fettes gelangt zurück in den Blutkreislauf und erhöht hier nicht nur die Blutfett- und Cholesterinwerte, sondern wird zudem noch in den Fettdepots eingelagert. Ein weiterer Nachteil ist, dass Fructose das Sättigungsgefühl blockiert. Wir fühlen uns nach dem Essen nicht satt.

Obst und Gemüse sind trotz enthaltener Fructose gesund!

Noch nie zuvor wurde so viel Fructose konsumiert wie heute und das liegt sicher nicht an einem übermäßigen Verzehr von Obst und Gemüse. Sie zählen trotz der enthaltenen Fructose nach wie vor zu den gesündesten aller Lebensmittel. Gesundheitliche Probleme bereitet die Fructose jedoch erst, seit sie in isolierter, konzentrierter Form ihre Verwendung gefunden hat.

Wie geht ihr mit diesem Thema um? Wie viel Zucker dürfen eure Kinder essen?

Ich hoffe ich konnte Euch ein paar interessante Infos zusammenschreiben. Vielleicht war auch das ein oder andere neu für euch.

Ich freue mich auf eure Meinungen und Erfahrungen zu diesem Thema!

Alles Liebe,

eure Claudi

 

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